27.03.2015

Tolle Idee - ENERGIEBILDUNG an deutschen Schulen!



Thomas Hann hat unser Interesse am Thema Energiebildung an Schulen mit seinem Vortrag auf dem Barcamp Renewables 2014 geweckt und uns von der Idee begeistert. Genau da ist der Punkt - wir müssen diese Generation mit der richtigen Message erreichen und sie verstehen lassen, wie wichtig die Energiewende für unsere Welt und unser Klima ist. Wir freuen uns, dass wir Gelegenheit hatten mit einem Gründer dieser Idee persönlich zu sprechen.


Thomas, was hat dich animiert das Thema Energiebildung anzugehen?

Ich habe erkannt dass die bisherigen Versuche, einen Wandel im Umgang mit Ressourcen herbeizuführen immer mit den „alten Anreizen“, also Subvention und Geldgeschenken, verbunden waren. Dabei kann uns nur ein Kulturwandel den nachhaltigen Weg in bewusstere Verhaltensmuster erschließen. Dieser Weg führt nicht über den Geldbeutel oder das Steuersparmodell, sondern über das Herz und den Verstand von Menschen, die erkannt haben, dass eine Zukunft nur lebenswert ist, wenn darin auch gesunde und gute Lebensbedingungen für alle herrschen. Dieses fundamentale Umdenken und Verstehen der eigenen Wirkung und Wirksamkeit muss möglichst früh an Kinder herangetragen werden.
Wenn man erkannt hat, dass dieser Kulturwandel der langsamste und tiefliegendste Prozess der Energiewende ist, hat man im gleichen Moment den Indikator für die Gesamtgeschwindigkeit des Prozesses verstanden. Denn der Gesamtprozess wird in seiner Geschwindigkeit vom langsamsten enthaltenen Prozess bestimmt.

Was ist genau die Idee, die hinter der Energiebildung steckt?

Die Kinder erfahren die Zusammenhänge ihrer eigenen Mitverursachung von Energieverbrauch und bekommen einfache Möglichkeiten, um diese nachhaltig zu verändern und den Erfolg zu dokumentieren. Sie werden am Erfolg der Maßnahme beteiligt, denn sie dürfen einen Teil der eingesparten Mittel für ihre eigenen Wünsche (z.B. eine Tischtennisplatte oder Chill-Ecke) verwenden. Anders als bei bisherigen Projekten möchten wir aber ein dauerhaftes Bildungsangebot in den Schulen installieren, mit dem die Schüler auch berufs- und lebensrelevante Kompetenzen erlangen können und so aktiv etwas für ihre eigene Zukunft tun. Wir möchten eine Vielzahl von Projektideen und Unterstützungen für die Kinder zugänglich machen, um ihnen die Möglichkeit zu geben vom Kleinprojekt bis zum ganzheitlichen Energiemanagement ihrer Schule in die Selbsterfahrung zu gehen. Genau in dieser Selbsterfahrung liegt der Schlüssel für den kulturellen Wandel, denn nur wenn Kinder ihre eigene Wirksamkeit hinsichtlich Ressourcen und frei werdender (eingesparter) Gelder erfahren, bringt sie das zu einem Denken der Fülle und nicht des Verzichts. Nachhaltigkeit heißt nicht zwingend Verzicht zu üben, sondern intelligent zu Wirtschaften. „Ich kümmere mich um das Klima und erschließe mir dabei neue Freizeitmöglichkeiten“ ist ein viel schönerer Anreiz als ein erhobener Zeigefinger und die Aussage „das kann so nicht weitergehen“.

Gibt es bereits eines oder mehrere Pilotprojekte in Deutschland, von denen du uns berichten kannst?

Ja, allen voran unsere Zusammenarbeit mit der Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasium in Berlin. Aber auch unsere Partner Ufu e.V. und das Energiebüro Nord haben schon sehr erfolgreich Schulprojekte umgesetzt. Pauschal lässt sich sagen, dass mit derartigen Maßnahmen der Energieverbrauch einer Schule um ca. 10% gesenkt werden kann. Dies entspricht im Bundesdurchschnitt immerhin 10.000 Euro pro Jahr. Das hilft der Schule, der Kommune und den Kindern und führt zu einer Verbesserung der gesamten Lebenssituation in und um die Schule herum. Unternehmen können als Partner für die Maßnahmen gewonnen werden und somit wird auch die berufliche Orientierung und das Verständnis für gesamthafte Zusammenhänge bei den Kindern gefördert und erweitert.

Was ist die Motivation der Schulen, an einem solchen Projekt teilzunehmen?

Die Schulen wollen derartige Maßnahmen sehr gerne, können aber keine Ressourcen dafür bereitstellen. Das größte Problem ist die Arbeitsüberlastung der Lehrer und die bisher fehlenden Möglichkeiten, derartige Projekte dauerhaft in Schulen anzusiedeln. Bisher wurden meist Projekttage oder Gastredner als punktuelle Veranstaltungen durchgeführt, was die dauerhafte Durchführung von Maßnahmen inklusive Auswertung für die Schulen unmöglich machte. Wenn ein Kind aber die Wirkung des geänderten Verhaltens nicht selbst dokumentiert bzw. vor Augen geführt bekommt, kann dies auch nicht zu einer dauerhaften Verhaltensänderung führen. Die meisten Projekte verliefen deshalb im Sande und erzielten keine dauerhaften Erfolge. Die Schule spart nicht nur dauerhaft Geld ein, sondern erschließt sich auch lokale Partnerschaften z.B. mit Energieanbietern und Handwerksbetrieben und vernetzt sich dabei besser mit dem umliegenden Berufsangebot für die Kinder. Sie ist in jedem Fall die Hauptprofittragende derartiger Projekte, denn ihre Energiekosten sind der größte Kostentreiber und damit der nachhaltigste Hebel für eine Verbesserung der Bildungs- und Lebenssituation.

Ist dies ein Projekt welches in Zusammenarbeit geplant und realisiert werden soll oder wird diese auch regelmäßig als Schulfach eingeführt?

Ja, es wird in enger Zusammenarbeit mit Pädagogen, Schulamt, Schulen, Unternehmen und Institutionen umgesetzt. Alles andere würde auch keinen Sinn machen. So komplex wie die Gesamtzusammenhänge im echten Leben sind, müssen auch die Projektstrukturen und Projektskizzen sein. Kinder sollen die Zusammenhänge dieser lokalen Netzwerke erkennen und ihre Wirkungsmöglichkeiten spüren. Das nachhaltigste Lernen ist das Erfahren der Wirksamkeit des Erlernten – im Idealfall mit einer Steigerung der Lebensqualität durch mehr Freizeitangebote, die durch einen bewussteren Umgang mit Ressourcen finanziert werden. Als Schulfach kann man es nicht bezeichnen, denn das „Fach“ findet an der Schnittmenge der Schule und ihres Umfeldes statt – aber das Bildungs- und Projektangebot wird den Schulen und Schülern dauerhaft zur Verfügung stehen und kann JEDERZEIT (nicht nur bei Projekttagen oder Exkursionen) abgerufen werden.

Woher bezieht Ihr die Lehrmittel und wer stellt diese zusammen?

Wir haben mehrere Kooperationen für Lehrmittel und Begleitung der Maßnahmen. Das unabhängige Institut für Umweltfragen (Ufu) hat schon sehr viele Bildungsinhalte geschaffen und auch das Energiebüro Nord hat ein wunderbares Handbuch für den Schulunterricht hergestellt. Es gibt sehr viele potenzielle Quellen für Wissen und Projektskizzen. Wir werden mit dem Gremium aus Unterstützern und Sponsoren die besten und effektivsten Lerninhalte auswählen, um das bestmögliche Ergebnis herbeizuführen.

Vielen Dank an Thomas Hann von KOPILOT. Wir wünschen uns, dass viele Eltern diese Zeilen lesen und für die Umsetzung dieser Projekte, welche unserer Zukunft helfen und vor allem der unserer Kinder, kämpfen und sich einsetzten.
UNSERE KINDER WERDEN ES UNS DANKEN!

Habt Ihr weitere Fragen zum Thema Energiebildung und Klimaschutz, dann stellt diese bitte hier: http://experts.top50-solar.de/ask